Die Orgel der katholischen Pfarrkirche Ilanz

 Disposition

I.Manual C-g3

 

 

II. Manual C-g3 (Schwellwerk)

 

Bourdon

16’

 

Geigenprincipal

8’

Principal

8’

 

Liebl. Gedeckt

8’

Bourdon

8’

 

Salicional

8’

Gamba

8’

 

Dolce

8’

Flauto

8’

*

Traversflöte

4’

Octave

4’

 

Quinte

2 2/3’

Spitzflöte

4’

 

Flautino

2’

Mixtur 4fach

2’

 

Englischhorn

8’

Octave

2’

 

Vox humana

8’

Cornett 3-5fach

2 2/3’

 

Tremolo

 

Trompete

8’

 

 

 

 

 

 

 

 

Pedal C-f1

 

 

 

 

Violonbass

16’

*

 

 

Subbass

16’

*

 

 

Flötenbass

8’

 

 

 

Cello

8’

 

 

 

Octavbass

4’

 

 

 

Trompetenbass

8’

 

 

 

 

*  aus der Vorgänger-Orgel von Klingler, Rorschach, 1895

 

Koppeln: II-I, I-Ped., II-Ped.

Schleifwindladen, Spieltraktur mechanisch, Registertraktur mechanisch und elektrisch, elektronische Setzeranlage

 

Erbauer/Baujahr:                      Orgelbau Kuhn AG, Männedorf , 2001

Disposition und Beratung:            Ursina Caflisch, Saland; Urs Fischer, Zürich

Intonation:                                Rudolf Aebischer (Orgelbau Kuhn AG)

Prospektgestaltung:                  Urs Fischer, Zürich; Uwe Schacht (Orgelbau Kuhn AG)

 

Die Ilanzer Orgel ist in Hinsicht auf die technische Anlage und auf die handwerkliche Machart ein durchwegs modernes Instrument. Disposition, Mensuren und Intonation sind hingegen konsequent in Anlehnung an die Gestaltungsprinzipien des schweizerischen Orgelbaus um 1850 angelegt und ermöglichen damit die Auseinandersetzung mit einem Klangstil, der leider kaum durch erhaltene, originale Instrumente dokumentiert ist.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Orgelbau in der deutschsprachigen Schweiz, zumindest in den kulturell aufgeschlossenen städtischen Zentren, von dem aus Badisch-Laufenburg stammende Orgelbauer Friedrich Haas (1811-1886) dominiert. Haas war Schüler und Mitarbeiter von Eberhard Friedrich Walcker, der mit seiner einflussreichen Orgel in der Frankfurter Paulskirche (1833) Technik und Klangästhetik des deutschen Orgelbaus neu formulierte. Ab 1839 wirkte Haas ausschliesslich in der Schweiz, wo er bis zur Übergabe seines Betriebs an seinen Mitarbeiter Friedrich Goll nur wenige, aber um so bedeutendere Instrumente errichten konnte, so unter anderem  im Neumünster Zürich (1839), in der Stadtkirche Winterthur (1843) in den Münstern von Bern (1849) und Basel (1857) und in der Hofkirche Luzern (1862). Von besonderer Bedeutung war die Begegnung mit dem gleichaltrigen Aristide Cavaillé-Coll im Jahr 1844, die eine lange, von gegenseitiger Wertschätzung geprägte Freundschaft begründete, und grossen Einfluss auf seine Arbeit hatte. In der Synthese von deutschen und französischen Gestaltungs- und Konstruktionsprinzipien entwickelte Haas einen eigenständigen Stil, der den schweizerischen Orgelbau der nachfolgenden Generationen entscheidend und bis heute geprägt hat. 

Sowohl Theodor Kirchner wie auch Benedikt Jucker und Theophil Forchhammmer hatten Orgeln von Friedrich Haas zur Verfügung und waren mitunter als Experten sogar an ihrer Gestaltung beteiligt. Der junge Theodor Kirchner trat 1843 seine Organistenstelle an der Orgel in der Stadtkirche Winterthur an, unmittelbar nachdem sie von Friedrich Haas grundlegend neu gestaltet worden war, und hatte das Amt bis zu seinem Weggang nach Zürich im Jahr 1862 inne. Verschiedentlich nahm er als Experte bei Prüfungen von Haas-Orgeln teil, so insbesondere 1862 zusammen mit Jucker und Cavaillé-Coll  in der Hofkirche in Luzern. Benedict Jucker initiierte eine neue Orgel von Friedrich Haas im Basler Münster, wo er seit 1838 als Organist wirkte. Das 1857 eingeweihte, monumentale Instrument fand durch seine detaillierte Beschreibung in Johann Gottlob Töpfers „Lehrbuch der Orgelbaukunst“ (1855) weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung. Theophil Forchhammer schliesslich trat 1867 seine erste Organistenstelle in der reformierten Kirche Thalwil an. Dort hatte Friedrich Haas 1864 sein letztes Werk erbaut, das einzige noch heute erhaltene Instrument aus seiner Werkstatt.


Die Orgel der katholischen Pfarrkirche Ilanz on Guild Music

  • GMCD 7290 19th Centuiry Organ and Choral Music

Page revised 03.09.2000